Nach wie vor prägen Konkurrenz und Leistungsdruck den Alltag. Egal ob in der Schule, in der Hochschule oder im Betrieb. Immer noch werden Kopfnoten an Schüler_innen vergeben, immer noch müssen Studierende am Anfang jedes Semesters bangen, um ihr Geld für die Studiengebühren zusammen zu kratzen und immer noch stehen Auszubildende mit der Unwissenheit da, ob sie nun eine Chance auf Übernahme haben oder doch nur, wie so viele andere, in ein Leiharbeitsverhältnis unterkommen. Das alles ist immer noch nicht hinnehmbar!
Die Lernbedingungen sind weiterhin unzureichend. Schüler_innen werden weiterhin nach der Grundschule sozial selektiert. Ihnen wird die Chance auf ein schönes Leben verbaut. Diejenigen die dann schon etwas älter sind, müssen um gute Kopfnoten ringen oder sich damit abfinden nun den ganzen Tag in der Schule zu bleiben, ohne dass die Schule dafür ausgelegt ist. Das achtstufige Gymnasium stopft die Stundenpläne voll und Quantität geht vor Qualität.
Doch auch wenn sie es geschafft haben und diesen Leistungsmarathon an der Schule hinter sich gebracht haben, so haben sie den an der Hochschule noch vor sich. Mit der derzeitigen Umsetzung des Bachelor/Mastersystems ist ebenfalls kein Verschnaufen möglich! Studierende genauso wie auch die Schüler_innen sollen sich schnell verwertbares Wissen aneignen, um dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen. Die Möglichkeit, selbstbestimmt eine gefestigte Persönlichkeit zu entwickeln und diese zu entfalten, wird dadurch genommen. Wer es heute nicht schafft diesem Leistungsdruck und der Dauerüberprüfung stand zu halten, bekommt die Rechnung nach Ablauf dieser Galgenfrist, denn BAFöG wird ausschließlich in der festgesetzten Regelstudienzeit gezahlt!
Zu Beginn des Studiums haben die angehenden Studierenden jedoch zunächst mit den Zulassungsbeschränkungen zu kämpfen. Was einst als Übergangslösung eingeführt wurde ist längst zur Regel geworden. Die Hochschulen nutzen die Zeit, die sie durch diese Beschränkungen erhalten allerdings nicht um weitere Studienplätze zu schaffen, sondern um weiter zu selektieren. Dadurch bleibt es vielen Menschen verwehrt, ihr gewünschtes Fachgebiet zu studieren oder sie hängen auf langen Wartelisten fest.
Denen, die mit dem Schulabschluss keine Berechtigung zur Hochschulbildung erhalten haben, bleibt oft nur der Weg zu einer Leiharbeitsfirma, wo die Menschen dann als Hilfsarbeiter beschäftigt werden. In den wenigsten Fällen haben diese Menschen die Möglichkeit, eine Ausbildung abzuschließen oder gar zu beginnen. Die Zukunftsaussichten sind mager: einen Lohn von teilweise unter 5 Euro pro Stunde, bei teils schwerer und langer Arbeit, ist da keine Seltenheit.
Aber auch diejenigen unter den Jugendlichen, die es geschafft haben einen der begehrten Ausbildungsplätze zu ergattern, haben es nicht sehr viel leichter. Auszubildende werden oftmals nur als billige Arbeitskraft angesehen. Teilweise haben sie nicht einmal eine_n zuständige_n Ausbilder_in! Die Qualität der Ausbildung nimmt dadurch immer weiter ab.
Schluss damit, her mit dem Schönen Leben!
Wir wollen nicht länger unter diesem Druck stehen. Wir wollen nicht länger für Bildung zahlen. Wir wollen nicht länger aussortiert werden wie faule Früchte. Wir wollen nicht länger Angst haben, ein Leben lang für 7 Euro Arbeiten zu müssen. Wir wollen, dass sich etwas ändert! Wir wollen ein selbstbestimmtes Lernen und Mitbestimmung in Schule und Hochschule! Dafür gingen 2009 über 350.000 Menschen auf die Straße. Sie setzten sich für ein demokratisches und gerechtes Bildungs- und Ausbildungssystem ein. 1200 Menschen waren es im Juni in Aachen und im November waren es schon über 3000 Menschen in Aachen. Diesen Trend wollen wir fortsetzen!
Am 22. April ist der nächste Bildungsstreik geplant. 2 Wochen vor den Landtagswahlen wollen wir die öffentliche Diskussion nutzen, um unsere Positionen und Forderungen noch einmal in den Vordergrund zu stellen. Zwar haben einige Parteien unsere Forderungen aufgefasst, aber es liegt an uns, Veränderungen durchzusetzen. Eine demokratische und allen zugängliche Bildung kommt nicht bloß durch ein Kreuzchen auf einem Wahlschein, aber es kann die tagtägliche Situation in den (Aus)-Bildungseinrichtungen erheblich verbessern. Daher fordern wir – auch im Hinblick auf die Landtagswahl im Mai 2010 – die Realisierung folgender Punkte ein:
- Kopfnoten abschaffen!
- Schluss mit Selektionen, eine demokratische Schule für alle!
- Weg mit Studiengebühren!
- Konsequente Neuordnung des Bachelor-/Mastersystems!
- Ausbildungspflicht: Betriebe, die nicht Ausbilden, sollen zahlen!
- Übernahme im erlernten Beruf!
Wir, das Bildungsstreikbündnis Aachen, rufen daher gemeinsam mit den Gewerkschaften dazu auf, sich an den kommenden Protesten zu beteiligen. Am 22. April geht es um 11:30 am Theaterplatz wieder los, um lautstark durch die Stadt zu ziehen und um auf uns aufmerksam zu machen. Kommt am 22.4. zum Bildungsstreik, denn es ist Zeit etwas zu ändern!
Bildungsstreikbündis Aachen






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